Schach

Leitung: Stefan Mahr und Dr. Jörg Wille

 

„Im Schach ist es erst dann möglich, ein großer Meister zu werden, wenn man die eigenen Fehler und Mängel erkannt hat – genau wie im Leben“  
(Alexander Aljechin, Schachweltmeister 1927-35, 1937-46)

Das ca. 1300 Jahre alte Brettspiel, dessen Ursprung wahrscheinlich in Indien liegt, hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt. Eine Ahnung von dieser Faszination bekommen – so etwa könnte man das Ziel unseres dreitägigen Schachprojekts beschreiben.

Das Schachspiel fördert sowohl soziale als auch kognitive Kompetenzen. Bei dem rein geistigen Kräftemessen lernt man nicht nur, ein guter Verlierer zu sein (denn nur ein guter Verlierer kann ein würdiger Gewinner werden), beim regelmäßigen Spielen bekommt man auch ein gutes Gespür für die Aspekte Angriff und Verteidigung: Wer nur verteidigt, wird von einem gleichwertigen Gegner ebenso besiegt wie jemand, der bedingungslos angreift. Dieses Verständnis kann einem auch im Leben helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch die Konzentrationsfähigkeit wird gefördert, denn ein einziger Fehler kann in einer Schachpartie, die mehrere Stunden dauern kann, die Entscheidung bringen. Ferner verbessert sich bei regelmäßigem Spielen die Fähigkeit zu logischem, strukturiertem Denken. Das zeigt zum Beispiel das württembergische Schachgymnasium Altensteig, an dem die Schüler Schach als Leistungskurs wählen können. Die leistungsstarken Schachspieler sind dort durchweg auch gute Schüler im Mathematikunterricht.

So haben sich am 26. Mai 2014 ca. 15 Studierende vom Nullanfänger bis zum Vereinsspieler am Hessenkolleg eingefunden, um sich auf dieses faszinierende Spiel einzulassen.

Zunächst gab es einen Vortrag in der Gesamtgruppe über die Geschichte und die Entwicklung des Spiels bis hin zum modernen Computerschach[1]. Danach wurde die Gruppe in Anfänger (geleitet von Dr. Wille) und Regelkundige (geleitet von S. Mahr) geteilt, um die Lektionen gezielter gestalten zu können.

Nach einer der jeweiligen Gruppe angepassten Wiederholung bzw. Vorstellung der Regeln wurden die drei Phasen Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel vorgestellt und einige grundlegende taktische Prinzipien vermittelt. Bezüglich der Spieleröffnung wurden die Grundprinzipien Einfluss im Zentrum, Entwicklung der Leichtfiguren und Sicherung des Königs durch die Rochade vorgestellt. Das Mittelspiel wurde durch einige Schachaufgaben zu den Grundmotiven Doppelangriff, Fesselung, Abzugsschach und Ablenkung vertieft[2]. Hinsichtlich des Endspiels wurden das Mattsetzen mit König und Dame bzw. Turm sowie elementare Bauernendspiele behandelt.

Außerdem wurde eine kostenlose, aber leistungsstarke Schachsoftware (Fritz5) vorgestellt, die neben der Funktion als Gegner und Lehrer, der auf Fehler hinweist, auch über umfangreiche Datenbanken verfügt: Berühmte Schachpartien, Schachprobleme und eine große Partiensammlung, die als Eröffnungsdatenbank genutzt werden kann. Wer Interesse an dieser Software hat, kann mich gern ansprechen (USB-Stick nicht vergessen!).

In der Gruppe der Regelkundigen wurde ferner ein Blick auf das Internet-Schachportal www.schach.de geworfen. Dort kann man bei laufenden Partien von Schachprofis zuschauen und auch selbst gegen Andere spielen.

Zum Abschluss haben wir in der zweiten Gruppe ein kleines Turnier jeder gegen jeden mit 30 Minuten Bedenkzeit pro Spieler veranstaltet, das erwartungsgemäß der einzige Vereinsspieler des Projekts gewonnen hat.

Ich denke, dass jeder Projektteilnehmer einen lebendigen Eindruck dieses wunderschönen Spiels gewonnen hat und hoffe, dass möglichst viele dem Pfad des Schachs weiter folgen werden.


[1] Hier ist anzumerken, dass das Spiel in der heutigen Form etwa 400 Jahre alt ist.

[2] Dabei kann man die Freude beim Finden der Lösung durchaus mit der beim Lösen einer Mathematikaufgabe vergleichen.